Sinn und Bestimmung finden

​Vielleicht gehörst auch Du zu den Menschen, denen es nicht reicht, einen guten Job zu haben, ein ausreichendes Einkommen und eine Familie. Immer mehr Menschen stellen sich die Frage, ob das denn eigentlich alles ist im Leben. Viele erfüllt das nicht mehr, und sie geben sich mit Oberflächlichkeiten nicht mehr zufrieden - im Job, in Freundschaften, in Partnerschaften. Die Sehnsucht ist da - nach etwas Substanziellerem, nach etwas, das weiter und tiefer reicht. Nach etwas, das sie wirklich erfüllt und glücklich macht. Viele suchen ihre Bestimmung und nicht zuletzt etwas, wofür es sich lohnt zu leben. Sie suchen nichts weniger als den Sinn für ihr Leben. 

Ein erfülltes Leben

​Ich habe mich ziemlich unverstanden gefühlt. Ich hörte immer, dass es mir doch gut geht, und was ich denn noch wollte. Ich hätte doch schließlich alles, was ich brauchte. Das war auch so. Und trotzdem spürte ich eine Unzufriedenheit in mir, die immer größer wurde. Nach erfolgreichem Studium hatte ich einen guten Job, eine schöne Wohnung, eine mich liebende Partnerin. Aber in der ganzen Tiefe meines Seins hat mich das nicht erfüllt. Es hat mir nicht gereicht, nur zufrieden zu sein. Etwas bohrte in mir. Ich habe mich gefragt: Wenn ich am Ende meines Lebens angekommen bin, was wird dann wirklich gezählt haben und auch dann noch zählen? Werde ich dann sagen: Ja, das war ein erfülltes Leben und ich habe vielleicht auch dazu beigetragen, dass es anderen gut geht?

Mehr vom Leben erwarten

​Martin (Name und Fall verändert) erwartet offenbar mehr von seinem Leben als das, was üblicherweise als ein gelingendes Leben angesehen wird. Und er erntet dafür in seinem Umfeld Unverständnis - schließlich hat er doch vermeintlich alles, was er zum Glücklich- und Zufriedensein braucht. Trotzdem bohrt da etwas in ihm weiter, denn er spürt, dass ihm das nicht reicht. Für sich merkt Martin, dass es offenbar eine tiefere Dimension gibt, und dass seine Unzufriedenheit, sein Suchen, darauf abzielt, diese Dimension zu erforschen und für sich zu erschließen.

Mögliche Methoden:

Mut, wirklich hinzuschauen

​Wenn wir einmal genau hinschauen, dann steht Martin für die überwiegende Zahl der Bevölkerung. Aber nur wenige gestehen sich das zu. Denn die Unzufriedenheit, die Martin spürt, spürt er nur deshalb, weil er den Mut hat, hinzuschauen und sich das zuzugestehen. In der intensiven Arbeit mit Klientinnen und Klienten wird mir immer wieder ein Punkt besonders deutlich. Hinter all den Überlastungssymptomen und hinter all der Unzufriedenheit, die Menschen in die persönliche Arbeit mit mir führt, steckt nur all zu oft, dass sie auf einer tieferen Ebene ihres Lebens unzufrieden sind und sich nach einem Sinn für ihr Leben sehnen. Denn ihr derzeitiges Leben gibt keine befriedigende Antwort darauf. Aber - sich das zuzugestehen und dann noch hinzuschauen, braucht Mut. Mut, den Martin hatte.

Martins Weg

​Martin lernte zunächst, dass es wirklich in Ordnung ist, diese Unzufriedenheit zu spüren, und dass es in Ordnung war, sie zuzulassen. Und darüber entwickelte er auch eine Gelassenheit dem Unverständnis seines Umfeldes gegenüber. Er gestand sich zu, dass er nun einmal das Befürfnis hat, tiefer zu schauen, und dass das für ihn so richtig ist - denn es ging schliesslich um sein Leben, um sein Glücklichsein. Dann begab sich Martin auf eine Reise, in der er für sich nach und nach geschaut hat, was für ihn ganz persönlich eigentlich Lebenssinn bedeutet. Was für ihn wahre, lebens- und erstrebenswerte Ziele für sein Leben sind und worauf es ihm wirklich ankommt. Nachdem ihm das klar war, richtete er sein Leben Stück für Stück mehr darauf aus. Nicht in einem großen Knall und kompletten Neustart, sondern behutsam nach und nach. So, wie es für ihn richtig und passend war.

Seine Berufung leben

​Als kleines Mädchen wollte ich Ärztin werden. Daran gab es für mich keinerlei Zweifel. Aber dann, nach dem Abi, kam es anders. Ich studierte Sozialwissenschaften. Medizin machen doch so viele, sagten meine Eltern. Und das ganze Auswendiglernen für die Prüfungen, das war ohnehin nichts für mich. Also schrieb ich das Medizinstudium ab und sagte mir: als Sozialwissenschaftlerin habe ich auch viele gute Möglichkeiten. Nach sieben Jahren in meinem Job merkte ich aber, dass es eigentlich gar nichts für mich ist, was ich da den ganzen Tag mache. Untersuchungen designen, Zahlenkolonnen auswerten, intrepretieren, Berichte darüber schreiben. Es nervte mich nur noch an. Immer häufiger erinnerte ich mich an meine Klarheit von damals: Ärztin. Menschen heilen, ihnen helfen. Die alte Sehnsucht war wieder da. Und was sollte ich jetzt damit machen?

Falsche Lebensentscheidungen?

​Natürlich könnte man sagen, Victoria (Name und Fall verändert) hätte damals eine falsche Entscheidung getroffen, nach dem Abitur Sozialwissenschaften statt Medizin zu studieren. Aber auf der anderen Seite glaube ich, dass Entscheidungen, die wir im Leben treffen, zum Zeitpunkt der Entscheidung immer richtig waren - eben in der damaligen Situation. Sonst hätten wir uns anders entschieden. Und es kommt darauf an, was wir dann daraus machen. Denn ich glaube auch, dass es möglich ist, und oft auch der einzig sinnvolle Weg, später noch einmal anders abzubiegen und den zunächst vorgezeichneten Weg zu verlassen. Nämlich dann, wenn wir feststellen, dass uns unser eingeschlagener Weg eben nicht zu unserem wirklichen Lebensziel führen wird. In Victorias Fall war es das Ziel, anderen zu helfen, sie zu heilen. Die Frage ist dann, wie wir mit einer solchen Situation umgehen. Den tiefen Wunsch unterdrücken, oder die eigentliche Berufung doch noch leben.

Mögliche Methoden:

Berufung jenseits des Kindheitstraumes

​Die eigene Berufung zu finden, kann ein wirklich spannender Prozess sein. Denn er führt manchmal tief in unser Leben hinein. Nicht nur zu dem, was wir einmal als Kind werden wollten (bei mir war es übrigens Polizist), sondern auch im Laufe unserer Jugend und des weiteren Lebens erfahren wir wichtige und oft sehr gute Prägungen, die für unsere Berufung relevant sind. Denn häufig ändert sich in uns noch einmal unglaublich viel. Und das, was uns früher wichtig war, trägt heute vielleicht nicht mehr. Darum ist es entscheidend, was uns auch jetzt als Mensch zutiefst wichtig ist, und worein wir unsere Lebensenergie investieren wollen. Eigentlich hat jeder Mensch tief in sich ein solches Sehnen danach, in dieser Welt zu wirken, in irgend einer Weise am Ende sagen zu können: Ja, es war gut. Das, was ich in meinem Leben gemacht habe, war mein Auftrag, meine Berufung. Ich bin erfüllt und glücklich.

Victorias Weg

​Für Victoria war es zu Beginn ihres Prozesses entlastend, erst einmal den Druck heraus zu nehmen, dass sie sich jetzt direkt irgendwie entscheiden müsste. Oder dass eigentlich die einzige Option wäre, sofort alles hinzuschmeißen und noch einmal zu studieren (denn dazu hatte sie eigentlich keine Lust). Als sie darüber ein wenig Frieden erlangt hatte, nicht unmittelbar etwas ändern zu müssen, ging es daran, zu schauen, was sie wirklich glücklich macht, und wofür sie bereit ist, ihre Zeit und ihre Lebensenergie aufzuwenden. Tatsächlich war es bei Victoria nach wie vor das Helfen und das Heilen. Victoria entschied sich, nebenbei eine Ausbildung zur Heilpraktikerin zu machen und währenddessen zu schauen, ob das auch eine berufliche Option sein könnte, oder ob sie das erlangte Wissen dann vielleicht nur nebenbei einsetzen wollte. Aber allein die Beschäftigung mit den medizinischen Themen während ihrer Ausbildung hat sie bereits beflügelt, auch ihren Alltag.