Persönlichkeitsentwicklung, Selbsterfahrung und Achtsamkeit

​Egal, ob Dich ein aktuelles Thema beschäftigt oder nicht - vielleicht hast Du den Eindruck, dass es gut wäre, ein paar Dinge in Deinem Leben genauer anzuschauen, sie zu reflektieren und eventuell auch zu verändern. Über eine professionelle Selbsterfahrung kannst Du nicht nur viel über Dich selbst lernen. Sie gibt Dir auch tiefe Anstöße, die in Dir weiter wirken und zu einer Veränderung in Dir führen. Vielleicht möchtest Du in diesem Zusammenhang oder unabhängig davon auch Achtsamkeit (Mindfulness) lernen und leben, zum Beispiel Meditation oder weitere Aspekte der Achtsamkeit für Dich entwickeln. Gerade die Kombination aus beidem (Achtsamkeit und Selbsterfahrung) ist besonders wirksam.

Aus Mustern aussteigen, die Dich steuern

​​Ich hatte damals festgestellt, dass ich in unterschiedlichen Situationen immer wieder nach ganz bestimmten Mustern vorgegangen bin - ohne, dass ich das wollte! Ich habe immer wieder Dinge getan, die ich gar nicht tun wollte, und danach habe ich mich über mich selbst geärgert, dass ich mich doch wieder so verhalten habe. Ich hatte den Eindruck, in manchen Punkten einfach festzustecken und nicht weiterzukommen. Mich vor allen Dingen persönlich in einigen Aspekten nicht weiter zu entwickeln. Das wollte ich ändern, denn ich hatte den Eindruck, dass ich noch viel mehr aus mir und meinem Leben machen kann.

Persönlichkeitsentwicklung

​Es muss nicht immer ein akutes Problem sein, das es zu lösen gilt. Im Gegenteil. Der Wunsch nach Veränderung führte Ina (Name und Fall verändert) zu mir. Sie wollte gerne einige alte Verhaltensmuster loswerden, die sie schon seit ihrer frühen Jugend mit sich herum trug. Sie fühlte sich oft für "alles" verantwortlich um sich herum. Wenn zum Beispiel jemand bei einer Geburtstagsfeier von Freunden den Eindruck erweckte, nicht so ganz fröhlich zu sein, kümmerte sie sich um ihn. Das zeigte sich auch in ihrem Beruf als Juristin: wenn es Kolleginnen schlecht ging, investierte sie viel Zeit, damit es ihnen besser ging. Zeit, die sie sich meist eigentlich für sich selbst erhofft und reserviert hatte. So kam sie immer weniger dazu, sich um sich selbst zu kümmern. All diese Muster wollte Ina gerne genauer anschauen und verändern.

Mögliche Methoden:

Lebensmuster verändern

​Wir alle haben solche Muster. Muster, die wir schon seit unserer Kindheit und Jugend in uns tragen. Leider ist es oft so, dass uns diese Muster heute das Leben durchaus schwer machen und zu Handlungen und Emotionen führen, die wir eigentlich ganz anders geplant hatten und uns anders wünschen. Ich drücke es gerne so aus: Mit unseren Mustern ist es oft so, als würden wir uns vornehmen, mit dem Zug nach Berlin zu fahren. Und am Bahnhof steigen wir dann im letzten Augenblick doch in den Zug nach München. Wenn wir uns dessen bewusst sind, dass wir in einen anderen Zug eingestiegen sind, ist das schon ein großer Schritt. Denn viele meiner Klienten wundern sich, dass sie beim Aussteigen immer wieder in München sind. Ihnen war nicht einmal bewusst, dass sie nicht in den Zug nach Berlin gestiegen waren. Diese Muster können verändert werden. Auch Deine Muster.

Inas Weg

​Ina war schon so weit, dass ihr deutlich war, dass es Muster waren, die sie immer wieder "gesteuert" haben, sich anders zu verhalten als sie eigentlich wollte. Sie entdeckte, woher diese Muster kamen. Bei ihr waren viele Muster in ihrer Kindheit entstanden. Sie lernte, diese Muster zunächst zu würdigen, indem sie nachspürte, dass ihr diese Muster früher tatsächlich sehr hilfreich waren und Sinn machten. In einem zweiten Schritt veränderte sie ihre Muster dahingehend, dass ihr in typischen Situationen, in denen sie den Impuls spürte, wie vorher zu handeln, einen Schritt zurück trat und sich dann bewusst entscheiden konnte, wie sie handeln wollte. Dabei hat ihr ein systematisches Achtsamkeitstraining sehr geholfen, weil es sie sensibler für den Zeitpunkt gemacht hat, an dem es noch möglich war, diesen Schritt zurück zu tun, um anstatt programmiert zu handeln, dann stattdessen selbstbestimmt und bewusst zu entscheiden, wie sie sich verhalten möchte. Das machte sie freier und sie fühlte sich mehr als Chefin in ihrem eigenen Leben.

Achtsamkeit lernen

​​Ich hatte schon einiges darüber gelesen, über Achtsamkeit oder auch Mindfulness. Es interessierte mich sehr, weil es vielen geholfen hat, bewusster zu leben und sich bewusster zu entscheiden in ihrem Alltag. Ausserdem war ich immer unter Strom und wollte gerne etwas finden, das mir hilft, anders mit all dem umzugehen, was jeden Tag auf mich einprasselt. Ich wollte mehr Zeit für mich selbst haben, wusste aber nicht, was ich dann damit anfangen sollte, wenn ich einen freien Abend hatte. Ich war immer schon einen Schritt weiter als das, wo ich tatsächlich gerade war und darum nie dort, wo ich gerade war. Das wollte ich verändern.

Was zählt, ist dieser Augenblick - Jetzt

​Gerald (Name und Fall verändert) hat erfahren, wie stressig es ist, nie wirklich im Augenblick präsent und bewusst zu sein. Und in der Tat ist das anstrengend. Weil wir nämlich nie ankommen, nie fertig sind. Und weil wir vor allen Dingen oft nie wirklich zufrieden und glücklich sind. Es ist immer noch eben das zu erledigen, und wenn das noch erreicht ist, dann kann ich endlich glücklich sein, denken wir oft. Ist das dann tatsächlich erreicht und erledigt, merken wir, dass doch noch etwas anderes sein muss, um ernsthaft glücklich zu sein... Und so hetzen wir von einer Situation zur anderen, in der Hoffnung, dadurch endlich am Ziel, fertig und glücklich zu sein - und werden doch immer wieder enttäuscht, weil die echte Ruhe und das echte Glück nicht wartet. Denn dies liegt nur im ganz präsenten und bewussten Erleben des jeweiligen Augenblicks. Immer wieder: Genau jetzt.

Mögliche Methoden:

Systematisches Geistestraining

​Die gute Nachricht ist: Achtsamkeit (Mindfulness) lässt sich erlernen, und zwar von jedem Menschen. Zu lernen, im jeweiligen Augenblick präsent und bewusst zu sein - so eine Definition von Achtsamkeit - ist eine Frage der Schulung des eigenen Geistes. Dazu wurden viele Methoden entwickelt. Die Achtsamkeitsmeditation ist die zentralste dieser Methoden. Es gibt unzählige Untersuchungen, die bestätigen, wie unglaublich wirkungsvoll das systematische Training der Achtsamkeitsmeditation ist. Diese kann im Sitzen, Stehen, Gehen, Liegen - und eigentlich in jeder Position und vor allen Dingen jeder Situation angewendet werden, das macht sie so einfach und effizient. Mehr dazu findest Du auch hier.

Geralds Weg

​Gerald begann bei seinem systematischen Achstsamkeitstraining, indem ich ihm eine allgemeine Einführung in die Methode der Achtsamkeitsmeditation gab. Diese Meditation übte er täglich, wobei er die Dauer langsam weiter ausdehnte. Er sammelte  Erfahrungen, die wir immer wieder besprachen. Später erlernte Gerald dann weitere Methoden. Mit der Zeit merkte er, dass er immer bewusster erlebte, was in ihm vorging und auch was ausserhalb von ihm vorging. Er lernte, nicht mehr sofort darauf zu reagieren, sondern mit Abstand zu schauen, wie er sich dazu verhalten wollte. Das bewusste und präsente Verweilen im jeweiligen Augenblick führte bei Gerald dazu, dass er sich ruhiger und ausgeglichener und später auch zufriedener und glücklicher erlebte. Das löste eine tiefe Lebensfreude in ihm aus.